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Ehrenobmann Heinrich Reinhart (1927 - 2013)

Heinrich Reinhart

(12. August 1927 – 9. Mai 2013)

 

Prof. Dr. med. Heinrich Reinhart ist am Vormittag des Christi Himmelfahrtstages im Waldviertelklinikum Horn nach langer schwerer Krankheit verstorben.

 

Heinrich Reinhart wurde am 12. August 1927 als einziger Sohn des Justizbeamten Karl Reinhart und dessen Gattin Natalie geboren. Berufliche Stationen des Vaters bedingten den Besuch der Volksschule in Gmunden und St. Pölten, wo er auch das Gymnasium besuchte. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Siebzehnjährige als Luftwaffenhelfer zur Wehrmacht einberufen. Im Jänner 1945 verstarb seine Mutter, den Einberufungsbefehl für den Sohn in Händen haltend, an Herzversagen. Nach Kriegsende begann Heinrich Reinhart unter ungünstigsten persönlichen Bedingungen mit dem Studium der Medizin an der Universität Wien, wo er im Juli 1953 zum Doktor der gesamten Heilkunde promovierte.

 

Bereits während seines Studiums hatte er seit 1949 an der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses Eggenburg bei seinem späteren Chef, Primarius Dr. Eduard Gaspar famuliert, sodass er, wie er schrieb, bereits damals Gelegenheit hatte, zusätzlich die vielseitigen Schönheiten, den landschaftlichen und kulturellen Reichtum der Stadt Eggenburg und des Waldviertels kennenzulernen. Dies war auch mit ein Grund, dass Eggenburg, welches ihm inzwischen echte Heimat bedeutete, ab 1953 Mittelpunkt seiner beruflichen Tätigkeit als Chirurg und seines Lebens wurde.

 

Als 1961 die Stadtpfarrkirche St. Stephan umfassend renoviert wurde, war Dr. Reinhart gemeinsam mit dem damaligen Kaplan Paulus Schober und Notar Dr. Johann Neusser daran maßgeblich beteiligt. Seit der Weihe der neuen Orgel am Pfingstsonntag des Jahres 1964 war Dr. Reinhart, solange es seine Gesundheit erlaubte, ständiger Organist der sonn- und feiertäglichen Abendmessen.

 

Im Jahre 1970 wurde er in den Gemeinderat der Stadt gewählt und übte bis 1986 das Amt des Kulturstadtrates aus. In diese Zeit fallen zahlreiche seiner Initiativen auf kulturellem Gebiet, vereinigte er doch auch die Funktion des Obmannes der Krahuletz-Gesellschaft und des Leiters der Volkshochschule in seiner Person. Ebenso erarbeitete er mit Schulrat Hubert Nagl ein neues Zweigstellenkonzept, welches später in Niederösterreich vielfach kopiert wurde und die Musikschule Eggenburg zur viertgrößten des Landes mit über tausend Schülern machte.

 

Als Obmann von 1970 bis 1986 und seither Ehrenobmann der Krahuletz-Gesellschaft pflegte er enge Kontakte mit der Universität Wien und die jährlichen Sonderausstellungen im Krahuletz-Museum bildeten nun die Höhepunkte wissenschaftlicher Präsentation. In diesem Zusammenhang soll die von ihm gestaltete Sonderausstellung über Bertha von Suttner hervorgehoben werden, welche ihn zum Fachmann und gesuchten Berater bei Fernsehdokumentationen nicht nur zu diesem Thema werden ließen.

 

Als leidenschaftlicher Schachspieler gründete er den Schachklub Eggenburg und machte die Stadt zur Schachhochburg, wo Landes- und Staatsmeisterschaften abgehalten wurden aus der schließlich aus „seinem Eggenburger Schachklub“ der österreichische Jugendstaatsmeister hervorging.

 

1972 begann Reinhart mit dem Aufbau seiner musikalischen Arbeit im Stift Altenburg und Schloss Breiteneich, wo schließlich der Grundstein für das Internationale Kammermusik Festival Austria (heute Academia Allegro Vivo) mit dem NÖ-Tonkünstler Kammerorchester unter Bijan Khadem-Missagh gelegt wurde.

 

Seine literarische Tätigkeit fand in den beiden Lyrikbändchen „Waldviertler Sonette“ und „Mühlenminiaturen“, zusätzlich in dem Neuwirth-Band „Eggenburg und seine Ausstrahlung“, in der Festschrift zur 700-Jahr-Feier „Geschichte und Gegenwart der Stadt Eggenburg“ sowie in zahlreichen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Beiträgen in verschiedenen Zeitschriften ihren Niederschlag.

 

Dementsprechend zahlreich sind auch die Ehrungen des neben dem ärztlichen Beruf an Paläontologie, Urgeschichte, Geschichte, Volkskunde, Musik und Religion Interessierten: So erhielt er unter anderen das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. und 2. Klasse, das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich und den Goldenen Ehrenring der Stadt Eggenburg. Er war Träger der Silbernen und der Goldenen Ehrennadel des Tonkünstler Kammerorchesters sowie der Goldenen Ehrennadel des Sängerbundes für Wien und Niederösterreich und vieler weiterer Auszeichnungen.

 

Der Bundespräsident zeichnete ihn mit dem Berufstitel „Professor“ aus, und Bundespräsident Kirchschläger war es auch, der einst auf Heinrich Reinharts wahrhaft erfülltes Leben, das dieser überzeugend und beispielgebend in den Dienst der Mitmenschen und der Heimat gestellt hatte. verwies und bemerkte, welch wertvolle Spuren er bereits damals hinterlassen hatte.

 

Für viele war Prof. Dr. Heinrich Reinhart nicht nur ein Freund, sondern oft auch Helfer. Seine Menschenliebe und seine umfassende Bildung haben viele Heranwachsende wesentlich geprägt und deren Horizont erweitert. Er hat es immer verstanden, andere zu begeistern, aber auch ihre Talente zu fördern.

Burghard Gaspar